Verständnis ist Liebe ein Gefühl oder mehr noch eine
innere
Haltung positiver, inniger und tiefer Verbundenheit zu einer Person,
die den reinen Zweck oder Nutzwert einer zwischenmenschlichen Beziehung
übersteigt und sich in der Regel durch eine starke Zuwendung
zum
anderen ausdrückt. Hierbei wird nicht unterschieden, ob es
sich um
eine tiefe Zuneigung innerhalb eines Familienverbundes
(„Elternliebe“) handelt, um eine enge
Geistesverwandtschaft
(„Freundesliebe“) oder ein körperliches
Begehren
(„geschlechtliche Liebe“). Auch wenn letzteres eng
mit
Sexualität verbunden ist, bedingt sich auch in letzterem Falle
beides nicht zwingend (z. B. sog. „platonische
Liebe“).
Ausgehend von dieser ersten Bedeutung wurde der Begriff in der
Umgangssprache und in der Tradition schon immer auch im
übertragenen Sinne verwendet und steht dann allgemein
für die
stärkste Form der Hinwendung zu anderen Lebewesen, Dingen,
Tätigkeiten oder Ideen. Diese allgemeine Interpretation
versteht
Liebe also zugleich als Metapher für den Ausdruck tiefer
Wertschätzung. Kulturell und historisch ist
„Liebe“
ein schillernder Begriff, der nicht nur in der deutschen Sprache in
vielfältigen Kontexten und in den unterschiedlichsten
Bedeutungsschattierungen verwendet wird. Das Phänomen wurde in
verschiedenen Epochen, Kulturen und Gesellschaften unterschiedlich
aufgefasst und erlebt. Jede Zeit und jeder soziale Verband setzt je
eigene Verhaltensregeln für den Umgang mit der Liebe. Daher
können die Bedeutungen zwischen der sinnlichen Empfindung, dem
Gefühl und der ethischen Grundhaltung
„Liebe“
wechseln. Ebenso vielschichtig wie die Bedeutungen der Liebe sind die
Bedeutungen ihrer gegenteiligen Zustände. Im Hinblick auf die
emotionale Anziehung zwischen Personen ist es der Hass. Im Sinne der
Abwesenheit von Liebe kann aber auch die Gleichgültigkeit als
Antagonismus angesehen werden. Im christlichen Verständnis
gilt
auch die Angst - als der Mangel oder die Abwesenheit von Liebe und
Geborgenheit - als Gegensatz der Liebe. Fehlentwicklungen der
Fähigkeit zu lieben sind zum Beispiel ein
übersteigertes
Besitzdenken (Eifersucht) oder verschiedene Formen der stark
ausgeprägten freiwilligen Abhängigkeit bzw. Aufgabe
der
Autonomie bis hin zur Hörigkeit.